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Meldung
23.09.2022, 17:17 Uhr

Belgien schaltet Atomkraftwerk ab – Macron schaltet Offshore Windpark ein

Münster – In Belgien wird heute (23.09.2022) das umstrittene Atomkraftwerk Doel 3 abgeschaltet, gestern hat der französische Präsident Macron den ersten Offshore Windpark in Frankreich eingeweiht. Auch in den Niederlanden wird der Ausbau der Offshore Windenergie nach den Plänen der Regierung forciert.

In Europa deutet sich eine immer sichtbarer werdende Zeiten- und Energiewende an. Symbolisch dafür stehen die Abschaltung des ersten belgischen Atomkraftwerks und die fast zeitgleich stattfindende Einweihung des ersten französischen Offshore-Windparks. Der Übergang hin zu einer Regenerativen Energiewirtschaft dürfte dennoch holprig verlaufen.

Atomkraftwerke in Europa: Doel viertes stillgelegtes AKW in 2022
Belgien hat Atomkraftwerke an zwei Standorten (DOEL 1-4, Antwerpen und Tihange 1-3 bei Huy, westlich von Lüttich) in Betrieb. Jetzt läuft der Countdown für die Stilllegung des belgischen Atomkraftwerks Doel 3 im Hafen von Antwerpen. Im Laufe des heutigen Tages (23.09.2022) wird das Atomkraftwerk heruntergefahren. Das im Jahr 1982 in Betrieb gegangene AKW mit einer Bruttoleistung von 1056 MW wird 40 Jahre alt und geht endgültig vom Netz. Im Februar 2023 folgt dann das belgische Atomkraftwerk Tihange 2 mit einer Bruttoleistung von 1055 MW.

Auch in Großbritannien setzt sich die Stilllegungswelle für alte Atomkraftwerke fort. Im Jahr 2022 sind auf der britischen Insel bereits drei Atomkraftwerke abgeschaltet worden: Hunterston B-2 (644 MW) in Schottland, im Juli 2022 das AKW Hinkley Point B-2 (655 MW) und am 01. August mit der jüngsten AKW-Schließung das Atomkraftwerk Hinkley Point B-1 (655 MW). Aktuell im Bau befindet sich das britische Atomkraftwerk Hinkley Point C, durch die aufgetretenen Verzögerungen verschiebt sich die Inbetriebnahme jedoch stetig nach hinten.

In Deutschland müssen nach dem Ausstiegsbeschluss und Plan aus dem Jahr 2011 nunmehr Ende 2022 die drei deutschen Atomkraftwerke (Neckarwestheim 2, Isar II und Emsland) abgeschaltet werden. Dafür wurde auch in Kauf genommen, dass die große 10-jährige Sicherheitsprüfung der Atomkraftwerke, die zuletzt 2009 erfolgte, nicht durchgeführt wurde. Vor allem wegen der angespannten Lage in Frankreich (zeitweise 32 von 56 Atomkraftwerke abgeschaltet) exportieren Deutschland und die Nachbarländer viel Strom nach Frankreich. Deshalb sollen u.a. die drei AKW in einer Art Notreserve zur Verfügung stehen. Das bedeutet kein Jo-Jo Betrieb. Wird einmal die Entscheidung für den AKW-Weiterbetrieb getroffen, dann gilt das bis ca. April 2023.

Offshore Windenergie: Frankreich startet ersten Windpark – Niederlande forciert Ausbau
In Frankreich hat der französische Präsident Macron die Windenergie entdeckt und in Westfrankreich den ersten französischen Offshore Windpark eingeweiht. Der Standort des Windparks Saint-Nazaire (Fertigstellung: 06.09.2022) mit den 80 Haliade GE-Turbinen (je 6 MW) und einer Gesamtleistung von 480 MW liegt 12 bis 20 km vor der Küste der Halbinsel Guérande. Macron will in Zukunft nicht mehr einseitig auf Atomenergie setzen, sondern auf eine Doppelrolle mit erneuerbaren Energien. Gleichzeitig sollen sechs Atomkraftwerke gebaut werden, allerdings dürften diese mit einer erwarteten Bauzeit von über 10 Jahren frühestens ab 2035 zur Verfügung stehen. In Frankreich wird derzeit seit 2007 an dem einzigen Ersatz-Atomkraftwerk Flamanville gebaut, das aber auch nach 15 Jahren Bauzeit noch nicht fertig ist.

In den Niederlanden hat die Regierung die Planungen für den Ausbau der Offshore Windenergie und die Produktion von Wasserstoff am 16. September 2022 kräftig nach oben revidiert. Das Ziel lautet nun 70 GW (70.000 MW) bis 2050 unter der Annahme, das bis 2040 die Offshore Windenergieleistung 50 GW beträgt. Ein Teil dieser Offshore Windkapazitäten soll für die Produktion von grünem Wasserstoff genutzt werden. Dieser grüne Wasserstoff kann in der Industrie, aber auch als Beimischung bzw. Ersatz für Erdgas in normalen Gaskraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt werden.

Bis zum Jahr 2030 soll in den Niederlanden eine Offshore Windkraftleistung in Höhe von 21 GW zur Verfügung stehen.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2022


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